Häufung des Namens Gnauck um Bischofswerda

Uwe Fiedler: Unter www.verwandt.de wurden per 1.10.2008 für Deutschland 483 Telefonbucheinträge zum Namen Gnauck angegeben, woraus auf ca. 1288 Personen mit diesem Namen geschlossen wurde. Der Name Gnauck ist also relativ selten. Zentrum der Verbreitung mit knapp einem Viertel der Personen ist der kleine Raum Bautzen. Der verwandte Name Nauck ist ähnlich selten.

Uwe Fiedler: In der Datenbank der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage fanden sich 2008 insgesamt 549 Datensätze mit einem Namensträger Gnauck und einer Ortsangabe für Deutschland, 406 davon bezogen sich auf Bischofswerda und Dörfer innerhalb eines Umkreises mit einem Radius von 5 km (Goldbach, Schönbrunn, Klein- und Großdrebnitz, Geißmannsdorf, Schmölln, Weickersdorf, Belmsdorf, Pickau; teilweise in abgewandelter Schreibweise).

Roland Paeßler: Anhand einer 2001 durchgeführten Untersuchung von Telefonbucheinträgen für Ostsachsen zwischen Osterzgebirge und Görlitz, zwischen Hoyerswerda und der tschechischen Grenze ergab sich, "dass 45% der insgesamt 313 Einträge Gnauck bzw. Gnauk auf ein Gebiet im Umkreis von 12 km um Bischofswerda entfielen, 20% allein auf Bischofswerda einschließlich der eingemeindeten Ortsteile."

Fränkische Herkunft des Familiennamens

Entgegen anderer Interpretationen, die wegen der räumlichen Häufung in Ostsachsen eine sorbische Herkunft vermuten, ist der Familienname Gnauck eindeutig deutschen Ursprungs. Er lässt sich auf GNAUKEN, nach dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm aus dem Unterfränkischen für "bejahend nicken bzw. beim Einschlafen im Sitzen den Kopf sinken lassen", zurückführen.

Perspektive von der Route der ehemaligen Frankenstraße oberhalb Goldbach in Richtung Weickersdorf und Großdrebnitz

Goldbacher Wurzeln zur Zeit der deutschen Ostsiedlung

Ein Mertten Nauck ist erstmals 1559 in Goldbach anlässlich der Übernahme der Stolpener Amtsdörfer durch das Kurfürstentum Sachsen nachgewiesen. Außer jenem Nauck findet sich kein vergleichbarer Name in den Amtsdörfern bei Bischofswerda, also genau dort, wo sich später das Zentrum der Familie Gnauck etablierte. In Goldbach befand sich bereits wenig später das Lehngericht im Besitz der Familie Gnauck. Vermutlich fand also im 16. Jahrhundert ein Namenswechsel von Nauck zu Gnauck statt.

Der erste Nachweis eines Vorfahrens der Familie Gnauck fällt in eine Zeit, als das Tragen von Familiennamen erst verbindlich wurde. Goldbach war von deutschen Siedlern, die vor allem aus Franken gekommen waren, gegründet worden. Die Frankenstraße verlief über das Hügelland nahe des heutigen Goldbach (Perspektive Richtung Großdrebnitz siehe Foto). Die Namen Nauck/Gnauck beziehen sich auf ein sehr persönliches Merkmal eines ersten Namensträgers, zur Zeit der deutschen Ostsiedlung gab es noch keine Familiennamen. Es liegt also die Vermutung nahe, dass im Zuge der Zuweisung von Familiennamen in einem sächsischen Ort mit fränkischen Wurzeln ein solcher Name einer Person (und dessen Familie) zugewiesen wurde. Alle heutigen Namensträger wären dann Nachfahren eines Goldbachers aus der Zeit des späten Mittelalters. Damit ließe sich die dominante Häufung eines Namens mit fränkischen Wurzeln in einem sehr kleinen Gebiet in Ostsachsen erklären.

Ernst Gnauck vor dem Erbgericht Kleindrebnitz (um 1900)

Kleindrebnitzer Zweig

Schon um 1600 werden die Gnaucks als bedeutende Familie auf einem der größten Bauerngüter von Kleindrebnitz erwähnt. Martin Gnauck (*1586) war Salz- und Landfuhrmann bis nach Leipzig und Breslau so wie mehrere seiner Nachfahren. Im 18. Jahrhundert erlosch der ursprüngliche Kleindrebnitzer Zweig der Familie Gnauck. Ihm folgte ein paralleler Zweig, der ursprünglich in Weickersdorf ansässig gewesen war und über das benachbarte Bühlau nach Kleindrebnitz kam.

Ab 1849 besaß die Familie Gnauck über drei Generationen für mehr als 100 Jahre das Erbgericht Kleindrebnitz. Carl Gottfried Gnauck (1802-1882) war Erbrichter und erster gewählter Gemeindevorstand nach der sächsischen Landgemeindereform von 1838. Auf den langjährigen Gemeindevorstand Ernst Gnauck (1852-1927, Foto um 1900) folgte Bruno Gnauck (1888-1969), Urgroßvater von Uwe Fiedler, der seine Kindheit im Erbgericht Kleindrebnitz verbracht hat.

Ehrenkreuz für Ernst Gnauck

Für seine Verdienste um Kleindrebnitz und seine Bewohner wurde Ernst Gnauck am 14. Mai 1912 von König Friedrich August III. von Sachsen des Ehrenkreuz verliehen.