Der langjährige Gemeindevorstand Ernst Gnauck vor dem Erbgericht Kleindrebnitz (vor 1900)


Einen ausführlichen Artikel zu Ernst Gnauck, meinem Ururgroßvater, gibt es in: Frank Fiedler, Uwe Fiedler: Lebensbilder aus der Oberlausitz: 60 Biografien aus Bautzen, Bischofswerda und Umgebung. Books on Demand, ISBN 3842351771, 336 S.; 6., überarbeitete Auflage am 27. März 2014 (Blick ins Buch).

Die Biografie von Ernst Gnauck ist auch Bestandteil des Biographischen Lexikons der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften Görlitz, im ehemaligen Personenwiki der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden befand sich ein Artikel zur Familie Gnauck. Auf diesen Artikel bezieht sich auch der Eintrag bei der Deutschen Nationalbibliothek.
Erbgericht Gnauck Kleindrebnitz

Verbreitung des Namens Gnauck

Familienstammbaum anlegen bei verwandt.de
Karten zum Namen Gnauck
Verteilung des Namens Gnauck

Woher stammt dein Name?

Unter www.verwandt.de wurden per 1.10.2008 für Deutschland 483 Telefonbucheinträge zum Namen Gnauck angegeben, woraus auf ca. 1288 Personen mit diesem Namen geschlossen wurde. Der Name Gnauck ist also relativ selten. Zentrum der Verbreitung mit knapp einem Viertel der Personen ist der kleine Raum Bautzen. Der verwandte Name Nauck (von naucken: nicken, schlummern) ist ähnlich selten. Die ca. 485 Personen dieses Namens konzentrieren sich vorrangig auf einen Raum südöstlich von Berlin (Quelle: www.verwandt.de).

Bekannte Namensträger, von mir biografiert:
Doris Gnauck White (Wissenschaftlerin) | Robert Gustav Gnauck (Musikverleger) | Max Otto Gnauck (Altertumsforscher) | Ricarda Gnauck (Pianistin)
In der Datenbank der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage fanden sich zum Untersuchungszeitpunkt 549 Datensätze mit einem Namensträger Gnauck und einer Ortsangabe für Deutschland, 406 davon bezogen sich auf Bischofswerda und Dörfer innerhalb eines Umkreises mit einem Radius von 5 km (Goldbach, Schönbrunn, Klein- und Großdrebnitz, Geißmannsdorf, Schmölln, Weickersdorf, Belmsdorf, Pickau; teilweise in abgewandelter Schreibweise).

Die Erbrichter in der Umgebung von Bischofswerda

Zitate aus dem Artikel von Roland Paeßler in: Mathias Hüsni (Hrsg.), Schiebocker Landstreicher (ISSN 1866-7872), H. 3, Burkau 2008, S. 8-16; aus mehreren unveröffentlichten Texten des Autors zusammengestellt und bearbeitet von Dr. Uwe Fiedler

1. Historischer Hintergrund

"Die Wurzeln vieler Erbrichterfamilien lassen sich bis in die Zeit der um 1100 einsetzenden deutschen Ostbesiedelung zurückverfolgen. Die Ortsgründung wurde vom Grundherren vielfach den Führern der ankommenden Bauerntrecks übertragen, sog. Lokatoren, die als Dorfoberhaupt wirkten, weitere Siedler anwarben, das Land aufteilten und später bei der weiteren Landverteilung und bei der Abgabenlast bevorzugt wurden."

2. Besondere Bedeutung der Erbrichter in den Stolpener Amtsdörfern

"Die Bedeutung der Erbrichter in den ehemaligen Stolpener Amtsdörfern ist deshalb besonders herauszustellen, weil diese Ortschaften keiner dort ansässigen Feudalherrschaft unterstanden ...."

Der Autor verweist darauf, dass der Familienname Gnauck entgegen anderer Interpretationen eindeutig deutschen Ursprungs ist. Er lässt sich auf GNAUKEN, nach dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm aus dem Unterfränkischen für "bejahend nicken bzw. beim Einschlafen im Sitzen den Kopf sinken lassen", zurückführen.

Untersuchung zur Verbreitung des Namens Gnauck zwischen Osterzgebirge und Görlitz, zwischen Hoyerswerda und der tschechischen Grenze: Anhand einer 2001 durchgeführten Untersuchung von Telefonbucheinträgen für Ostsachsen ergab sich, "dass 45% der insgesamt 313 Einträge Gnauck bzw. Gnauk auf ein Gebiet im Umkreis von 12 km um Bischofswerda entfielen, 20% allein auf Bischofswerda einschließlich der eingemeindeten Ortsteile."

Kleindrebnitzer und Weickersdorfer Zweig - mit Goldbacher Wurzeln

Ein Mertten Nauck ist erstmals 1559 in Goldbach anlässlich der Übernahme der Stolpener Amtsdörfer durch das Kurfürstentum Sachsen nachgewiesen. Außer jenem Nauck findet sich kein vergleichbarer Name in den Amtsdörfern bei Bischofswerda, also genau dort, wo sich später das Zentrum der Familie Gnauck etablierte. In Goldbach befand sich bereits wenig später das Lehngericht im Besitz der Familie Gnauck. Vermutlich fand also im 16. Jahrhundert ein Namenswechsel von Nauck zu Gnauck statt.

Der erste Nachweis eines Vorfahrens der Familie Gnauck fällt in das 16. Jahrhundert, eine Zeit, als das Tragen von Familiennamen erst verbindlich wurde. Goldbach war von deutschen Siedlern, die vor allem aus Franken kamen, gegründet worden. Die Namen Nauck/Gnauck beziehen sich auf ein sehr persönliches Merkmal eines ersten Namensträgers, zur Zeit der deutschen Ostsiedlung gab es noch keine Familiennamen. Es liegt also die Vermutung nahe, dass im Zuge der Zuweisung von Familiennamen in einem sächsischen Ort mit fränkischen Wurzeln ein solcher Name einer Person (und dessen Familie) zugewiesen wurde. Alle heutigen Namensträger wären dann Nachfahren eines Goldbachers aus der Zeit des späten Mittelalters. Damit ließe sich die dominante Häufung eines Namens mit fränkischen Wurzeln in einem sehr kleinen Gebiet in Ostsachsen erklären.

Schon für das Ende des 16. Jahrhunderts werden die Gnaucks als bedeutende Familie auf einem der größten Bauerngüter von Kleindrebnitz erwähnt. Die folgende Stammtafel soll die Verbreitung der Familie über mehrere Jahrhunderte nachvollziehen: Neben Kleindrebnitz spielte v. a. Weickersdorf eine wesentliche Rolle. Die Stammtafel wurde sowohl in Breite als auch Tiefe auf historisch bedeutende Familienzweige begrenzt, um Bezüge zwischen diesen Linien besser verdeutlichen zu können. Auch nicht genannte Familienmitglieder besaßen weitere Bauerngüter in Weickersdorf, Groß- und Kleindrebnitz.

Die Spalten der Tabelle repräsentieren die einzelnen Ahnenlinien, wobei Spaltengruppen unter einem übergreifenden Tabelleneintrag für Geschwister stehen. Die Zeilen stellen den Bezug zwischen korrespondierenden Generationen über die verschiedenen Zweige hinweg her. Über den Inhalt der Stammtafel hinaus sind vielfältige Beziehungen zur Erbrichterfamilie Klahre erwähnenswert. In diesem Kontext besteht auch ein Ahnenverbund mit dem bedeutenden Agrarwissenschaftler Bruno Steglich.

Als Quellen wurden Ahnentafeln und Publikationen des Heimatforschers Roland Paeßler, Angaben aus einer Datenbank der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sowie Mitteilungen des Stadtarchivs Bischofswerda und der Christuskirche Bischofswerda (zum Kirchenbuch Goldbach) ausgewertet. Die farbliche Hinterlegung der Tabelleneinträge bezieht sich auf den jeweiligen Lebensmittelpunkt: Kleindrebnitz, Weickersdorf bzw. weiß bei abweichenden Orten. Sofern vorhanden sind Online-Biografien bedeutender Vertreter der Familie bzw. sonstiger Bezugspersonen verlinkt.

Martin Gnauck
(* 1586)
nach Richard Garbe Bauer sowie Salz- und Landfuhrmann (bis nach Leipzig und Breslau) auf einem der ältesten und größten Bauerngüter von Kleindrebnitz (Stammgut)
Thomas Gnauck
(1618 - 1679)
Gerichtsschöppe, Bauer sowie Salz- und Landfuhrmann auf dem Stammgut
Christoph Gnauck
(1610 - 1671)
Bauer und Gerichtsschöppe, in Weickersdorf "am Drebnitzer Weg über'n Haufen geritten" (Heckel: Chronik der Stadt Bischofswerda)
Hanss Johann Gnauck
(1655 - 1729)
Martin Gnauck
(1634 - 1705)
Bauer und Salzfuhrmann
Hans George Gnauck
(1695 - 1725)
Gerichtsschöppe und Landfuhrmann auf dem Stammgut
Martin Gnauck
(1681 - 1758)
Bauer und Salzfuhrmann
Anna Elisabeth Gnauck
(1725 - 1796)
der ursprüngliche Kleindrebnitzer Zweig der Gnaucks ging durch Heirat 1745 in der Großdrebnitzer Erbrichterfamilie Klahre auf
Friedrich Martin Gnauck
(1709 - 1774)
Bauer und Landfuhrmann, ging von Weickersdorf nach Bühlau
Andreas Gnauck
(+ 1772)
Freirichter auf dem Erbgericht
Christoph Gnauck
(?1725 - 1763)
Amts-, Land- und Gerichtsschöppe, Bauer auf Gut Nr. 2, einem der größten Bauerngüter von Weickersdorf (nahe des heutigen Bahnhofs)
  Johann Gottfried Martin Gnauck
(1753 - 1798)
in Bühlau geboren, kaufte das Kleindrebnitzer Stammgut der Familie
Rosina Gnauck
heiratete 1734 Christoph Näther aus Polenz, Dokument zum bäuerlichen Hochzeitsbrauchtum im Hauptstaatsarchiv Sachsen
Johann Christoph Gnauck
(1756 - 1813)
Bauer auf Gut Nr. 14, Gerichtsschöppe, Salzfuhrmann, sein Bruder Adam Gottlieb (auch Gerichtsschöppe, Besitzer von Gut 2) vermutlich 1813 durch napoleonische Truppen ermordet, vgl. Roman Töppel: "Die Sachsen und Napoleon: ein Stimmungsbild 1806-1813". Böhlau, 2008
Johann Gottfried Gnauck
(1774 - 1836)
Bauer und Landfuhrmann auf dem Stammgut
  Carl Christoph Gnauck
(1791 - 1865)
Bauer auf Gut Nr. 2, Gerichtsschöppe, vermutlich auch Salzfuhrmann; seine Frau, Christiane Caroline geb. Beyer, entstammte dem in Weickersdorf verbliebenen Zweig der Familie Beyer/Bayer (nach Namenswechsel)
Carl Gottfried Gnauck
(1802 - 1882)
Erbrichter, erster gewählter Gemeindevorstand nach der sächsischen Landgemeindereform (1838), kaufte zusätzlich zum Stammgut das Erbgericht von Johann Gottfried Nake (1849)
Karl Julius Gnauck
(1826 - 1905)
zwischenzeitlich in Bühlau, wo sein erstes Kind geboren wurde, Besitzer von Gut Nr. 2 in Weickersdorf, kaufte 1868 von den Leunerschen Erben auch Gut Nr. 8
Friedrich August Heinrich Gnauck
(1820 - 1905)
Gutsbesitzer in Großdrebnitz
Friedrich Ernst Gnauck
(1852 - 1927)
langjähriger Gemeindevorstand und Erbgerichtsbesitzer
Karl Hermann Gnauck
(* 1872)
besaß Gut Nr. 2
Max Otto Gnauck
(1858 - 1904)
Lehrer und Altertumsforscher in Leisnig
Meta Flora Gnauck
(1860 - 1908)
Oskar Bruno Gnauck
(1888 - 1969)
Erbgerichtsbesitzer und Friedensrichter, verkaufte 1956 das Erbgericht an die Familie Szczekalla, weil er beide Söhne nach Krankheit bzw. wegen Kriegstod verloren hatte
Oskar Gnauck
(1887 - 1931)
Gemeindevorstand, Schwiegersohn von Ehregott Bruno Barthel
Paul Gnauck
(1880 - 1945)
Richard Gnauck
(1878 - 1944)
  Carl Ernst Paeßler
(1890 - 1963)
Freigutsbesitzer in Belmsdorf, Enkel von Bernhard Paeßler bzw. Urenkel von Eduard Paeßler
Luise Gnauck
(1913 - 2006)
aufgewachsen im Erbgericht und nach dem 2. Weltkrieg bis 1978 wieder hier ansässig, Schwiegermutter von Frank Fiedler
  Willy Gnauck
(1906 - 1980)
verkaufte im Zusammenhang mit der Kollektivierung das Stammgut an die Familie Brendler
Curt Gnauck
(1905 - 1945)
Bürgermeister in Rammenau
Roland Paeßler
(1928 - 2016)
Landwirt und Heimatforscher